Badgasse
Gaildorfer Badestuben
Wer heute vom Brandenburger Törle in Richtung des Graf-Gottfried-Hauses schlendert, der befindet sich in der ehemaligen Badgasse. Der hintere Teil der Kirchstraße war früher der Badebezirk Gaildorfs. Ihren Namen verdankte die Gasse zwei öffentlichen Badehäusern, die hier ab dem Jahr 1503 urkundlich nachgewiesen sind. In einer Zeit, zu der es in Privathäusern noch keine Bäder gab, stellten Badestuben der Einwohnerschaft Badezuber zur Verfügung.
Die Nähe zum Kocher war wichtig, denn fließendes Wasser gab es in den Häusern nicht. In mühevoller Handarbeit mussten die Badgehilfen unzählige Ledereimer aus dem Fluss schöpfen und den Hang hinauftragen, um die hölzernen Zuber zu füllen und den Dampf anzuheizen.
Bader und Wundärzte
Die dort ansässigen Bader boten aber weit mehr an, als nur Dampfbad und wassergefüllte Zuber. Sie übernahmen die medizinische Basisversorgung der einfachen Bevölkerung, die sich die teuren, akademisch ausgebildeten Doktoren der Medizin nicht leisten konnte. Neben dem Haarschneiden und Rasieren zogen die Bader Zähne, versorgten Wunden, richteten Knochen und führten Aderlässe oder das Schröpfen durch.
Mit dem Aufkommen von Seuchen im 17. und 18. Jahrhundert schlossen die Badstuben. Doch ihre medizinische Tradition blieb erhalten: Aus den handwerklich geschulten Badern und Wundärzten, die jahrhundertelang die Grundversorgung der Bevölkerung übernahmen, entwickelten sich nach und nach akademisch ausgebildete Ärzte. Diese neuen Mediziner übernahmen zwar die praktischen Aufgaben ihrer Vorgänger, doch ihr Wissen basierte nun auf wissenschaftlicher Ausbildung und nicht mehr allein auf handwerklicher Erfahrung.
Anfang des 19. Jahrhunderts wachte dann kein Geringerer als der berühmte Dichterarzt Justinus Kerner als Gaildorfer Oberamtsarzt über die Gesundheit der Bevölkerung.
