Blockturm Nürtingen
Der Blockturm in Nürtingen ist eines der eindrucksvollsten Relikte der mittelalterlichen Stadtbefestigung und zeugt noch heute von der wechselvollen Geschichte der Stadt. Er ist der letzte erhaltene Rest der einst mächtigen Wehranlagen, die Nürtingen im Mittelalter schützten. Bereits im Jahr 1354 wurde die Stadtmauer erstmals urkundlich erwähnt, und der Blockturm hatte dabei eine besonders wichtige Funktion: Er sicherte die südöstliche Ecke dieser Befestigungsanlage und diente gleichzeitig als Wehr- und Kontrollpunkt.
Seinen Namen verdankt der Blockturm einer düsteren Nutzungsgeschichte. Im Inneren des Turms befand sich früher ein Gefängnis, in dem Straftäter ihre Strafe verbüßen mussten. Der sogenannte „Block“, ein mittelalterliches Straf- und Fesselgerät, wurde hier eingesetzt, um Gefangene bewegungsunfähig zu machen und sie öffentlich oder unter äußerst harten Bedingungen zu bestrafen. Diese Form der Haft sollte nicht nur der Bestrafung dienen, sondern auch abschreckend wirken. Der Blockturm steht somit symbolisch für die damalige Rechtsprechung und den Umgang mit Vergehen in vergangenen Jahrhunderten.
Besonders eindrucksvoll ist das bis heute erhaltene dunkle Verlies im Inneren des Turms. Es verfügt lediglich über eine kleine Öffnung in der Decke, durch die spärlich Licht und Luft in den Raum gelangten. Diese Öffnung diente zugleich dazu, Gefangene hinabzulassen oder ihnen Nahrung zu reichen. Die beklemmenden Bedingungen vermitteln Besuchern auch heute noch einen sehr anschaulichen Eindruck von den Lebensumständen der Inhaftierten.
Heute ist der Blockturm ein bedeutendes kulturhistorisches Denkmal und fester Bestandteil der Nürtinger Stadtgeschichte. Er kann im Rahmen einer geführten Stadtbesichtigung besucht werden, bei der Interessierte nicht nur das Bauwerk selbst, sondern auch spannende Hintergründe zur mittelalterlichen Stadtentwicklung, zur Verteidigung Nürtingens und zum damaligen Strafwesen erfahren.
Öffnungszeiten
Der Blockturm lässt sich in Verbindung mit einer Stadtführung besichtigen.
