Brandenburger Törle
Brandenburgisch-preußische Truppen in Gaildorf
Am westlichen Ende der Kirchstraße markiert das Brandenburger Törle einen alten Durchbruch in der mittelalterlichen Stadtmauer zur Mauerstraße. Der Name geht vermutlich auf den Einmarsch eines 600 Mann starken brandenburgisch-preußischen Bataillons im Dezember 1713 zurück, dass die Stadt für zwei Monate besetzt hielt.
Nach dem Aussterben der Schenken von Limpurg im Jahr 1713 entbrannte ein jahrzehntelanger, erbitterter Streit um das Erbe des Territoriums. Auch das junge Königreich Preußen erhob Ansprüche auf die Region. Um diesen Nachdruck zu verleihen, marschierte eine rund 600 Mann starke brandenburgisch-preußische Truppe des Soldatenkönigs Friedrich Wilhelm I. in Gaildorf ein und hielten die Stadt für gut zwei Monate besetzt.
Seit diesem einschneidenden Ereignis trägt das kleine Tor im Volksmund dauerhaft den Namen „Brandenburger Törle“. Vom „Törle“ führt heute eine Holzbrücke über den Kocher und verbindet die Innenstadt mit den gegenüberliegenden Flussauen.
Heimweh nach Brandenburg
Deutlich charmanter, aber wahrscheinlich erfunden, ist die zweite Erklärung für den Namen: Ein Gaildorfer Handwerksgeselle verliebte sich auf der Walz in eine Brandenburgerin und brachte sie als seine Braut mit zurück ins Limpurger Land. Die junge Frau, von Heimweh gequält, nutzte häufig den Durchgang zum Kocher. Dort soll sie dann am Ufer gestanden und wehmütig in Richtung ihrer alten Heimat geschaut haben.

