ZWISCHEN VERLUST UND NEUBEGINN - Briefe erzählen
- Location:
- Stadtmuseum Gerlingen, Weilimdorfer Straße 9-11, 70839 Gerlingen
- Datum:
- 2. Juli 2026, 18:00 Uhr
- Preis:
- kostenlos
ZWISCHEN VERLUST UND NEUBEGINN - Briefe erzählen
Eine Ausstellung zu 80 Jahren Vertreibung der Deutschen aus Ungarn - 21.6.2026 – 31.01.2027
Vor 80 Jahren wurden mehr als 200.000 Ungarndeutsche aus ihrer Heimat vertrieben. Familien wurden auseinandergerissen, gesellschaftliche Stellung und wirtschaftliche Existenz gingen verloren, über Generationen gewachsene Lebenswelten zerbrachen. Vor allem aber erlebten die Menschen den Verlust dessen, was man Heimat nennt – einen Ort der Zugehörigkeit und Identität. In Deutschland begann ein schwieriger Neuanfang. Erst nach und nach wurde aus der Fremde ein neues Zuhause.
Heute, acht Jahrzehnte später, gibt es kaum noch Zeitzeuginnen und Zeitzeugen, die von diesen Erfahrungen berichten können. Umso bedeutsamer sind die persönlichen Aufzeichnungen der Betroffenen, die ihre Geschichte für nachfolgende Generationen bewahren.
Im Mittelpunkt der Ausstellung steht die Briefsammlung des Volkskundlers Eugen Bonomi – ein außergewöhnlicher Quellenbestand zur Geschichte der Deutschen aus Ungarn. Dieser einzigartige Bestand wird heute im Freiburger Institut für Kulturanalyse der Deutschen des östlichen Europa aufbewahrt. Die Kulturwissenschaftlerin Dr. Csilla Schell hat die Briefe im Rahmen ihrer Dissertation umfassend erforscht und so einen neuen Zugang zu den Erfahrungen der Vertriebenen eröffnet.
Die Schreiben entstanden zwischen 1946 und 1979. In ihnen berichten die Verfasserinnen und Verfasser von ihrem Alltag, ihren Sorgen und Hoffnungen, von den Herausforderungen des Neuanfangs und von ihrem Leben zwischen alter und neuer Heimat. Es sind keine rückblickenden Erinnerungen, sondern unmittelbare Zeugnisse ihrer Zeit. Gerade dadurch bieten sie einen authentischen Einblick in die Gefühls- und Lebenswelt der Vertriebenen.
In der Ausstellung ergänzen Fotografien, Dokumente, Alltagsobjekte und originale Tonaufnahmen die Briefe. Gemeinsam zeichnen sie ein vielschichtiges Bild des Alltags und der Lebensbedingungen nach der Vertreibung. Zugleich richtet die Ausstellung den Blick auf die lokale Geschichte: Tausende Vertriebene kamen nach dem Zweiten Weltkrieg nach Gerlingen und prägten die Stadt nachhaltig. Ihr Beitrag zum gesellschaftlichen, kulturellen und wirtschaftlichen Leben wirkt bis heute nach. Die Vertriebenen und ihre Nachkommen sind längst zu einem selbstverständlichen Teil der Gerlinger Stadtgesellschaft geworden. Die Geschichte der Deutschen aus Ungarn ist deshalb nicht nur Teil der europäischen Nachkriegsgeschichte, sondern auch ein prägender Bestandteil der Geschichte Gerlingens.
Die Ausstellung bietet einen eindrucksvollen und persönlichen Zugang zu einem bedeutenden Kapitel deutscher Geschichte. Sie lädt dazu ein, den Stimmen der Vertriebenen zu begegnen – Stimmen, die von einer vergangenen Zeit erzählen und zugleich Fragen aufwerfen, die bis heute aktuell sind: Fragen nach Heimat, Zugehörigkeit, Verlust und Neubeginn.
Donnerstag, 02.07.2026, 18 Uhr, GESCHICHTE BEWEGT – AUCH UNS: DIE UNGARNDEUTSCHE VERGANGENHEIT AUS SICHT DER NÄCHSTEN GENERATION
Vortrag von Leana Magdalena Becker
Eine junge Ungarndeutsche berichtet, welche Auswirkungen die Vertreibung der Ungarndeutschen auf ihre Nachfahren hat.
Mit anschließendem Umtrunk
Eintritt frei (wir freuen uns über Spenden), ohne Anmeldung
Preisinformationen
- Preis:
- kostenlos